POSTED Oktober 12, 2011 17:00 Quo vadis E-Book-Markt Deutschland?

In den letzten Wochen wird viel über E-Reader, Tablets und Co. gesprochen. So stellte Amazon Ende September seinen Kindle Fire vor, der sich als günstige Alternative zum Apple iPad positioniert und dessen Vorverkaufszahlen schon erste Anzeichen für einen Run erwarten lassen. Vergangene Woche launchten Weltbild und Hugendubel eBook Reader 3.0. Auch Thalia kündigte bereits die neue Version OYO II des eigenen E-Readers an, der in den nächsten Wochen zusammen mit einer eigenen Lese-App für den mobilen Zugriff auf den Markt kommen dürfte. Die App kommt vom Entwickler Textunes, der im August dieses Jahres von Thalia übernommen wurde und mit dem sich die Douglas Tochter breiter im E-Book Markt aufstellt.

Betrachtet man jedoch den Umsatz mit elektronischen Büchern in Deutschland, so ist dieser noch recht überschaubar. In der ersten Jahreshälfte 2011 lag der E-Books Anteil am gesamten Buchumsatz bei lediglich 0,7 %; rund 13 Mio. €. Das entspricht aktuell 60 % des Vorjahresumsatzes. Laut GfK Panel Services kauften rund 340.000 Personen E-Books. Jedes 143. Buch geht als E-Book über die Ladentheke oder im Warenkorb.

Die Bitkom prognostiziert ein Plus von 40% für den Absatz von E-Reader gegenüber dem Vorjahreszeitraum - rund 232.000 Stück. Der Umsatz wird sich schätzungsweise auf 31 Mio. € belaufen - ein Plus von einem Drittel. Europaweit liegt Deutschland damit jedoch unter Durchschnitt. In Europa wird von einem Marktwachstum von rund zwei Drittel auf rund 275 Mio. € ausgegangen.

Die Gründe für das „Hinterherhinken“ des deutschen E-Book-Marktes sind vielseitig. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels nennt in einer Presseerklärung vom März 2011 vor allem die zu geringe Nachfrage als Ursache. Doch einige Branchenexperten bezweifeln das. So zitiert ibusiness den Publishing-Experte Jörg Oyen:

„Das Grundproblem ist das Angebot der Titel - nur die Bestseller der Top 100 reichen nicht. Es gibt einfach zu wenige gute, von Generation zu Generation wechselnde Pflichtlektüre in Form digitaler Bücher auf Deutsch. Es hat sich schlicht bis heute nichts daran geändert, dass Leser mit dem Wunsch, ihre Titel digital zu lesen auf illegale Quellen ausweichen und wenn Sie dort nicht fündig werden, eventuell auf das gedruckte Buch zurückgreifen."

Ähnlich sieht es Ralf Biesemeier vom digitalen E-Book-Vertrieb Readbox Publishing: „Dass es keine Nachfrage gibt, kann ich nicht bestätigen: 3.000 Titel in unserem Programm generieren Verkäufe von 35.000 bis 36.000 Exemplaren pro Monat. Jeder Titel geht also im Schnitt zehn- bis elfmal raus. Verlage wären glücklich, solche Zahlen zu haben."

Es bleibt spannend, wohin der deutsche E-Book-MFrankfurter Buchmessearkt sich entwickelt, welche Erkenntnisse und Ideen die Frankfurt SPARKS - Die digitale Initiative der Frankfurter Buchmesse - an den Tag bringen wird. Themen sind unter anderem neue Geschäftsmodelle und Monetarisierung von Content.

 

Quellen:

„Jedes 143. Buch wird als E-Book verkauft“ (internetworld vom 12.10.2011)

„Der deutsche Konkurrent des Kindle“ (internetworld vom 06.10.2011)

„Wie die Buchbranche den EBook-Markt verschenkt“ (ibusiness.de vom 07.10.2011)

„Amazons Kindle Fire nach fünf Tagen bereits auf Erfolgskurs“ (ibusiness.de vom 05.10.2011)

E-Books Studie http://www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/E-Book-Studie_2011.pdf

www.boersenverein.de/

http://ohnetuete.wordpress.com/

http://www.buchmesse.de/